Vorteile der französischen Boehm-Klarinette

(des Boehm-Systems)

gegenüber der deutschen Oehler-Klarinette

(des deutschen Systems)


1. Boehm-Klarinetten (BK) sind in der Regel mit 17 bzw.

18 Klappen ausgestattet. Spitzenfabrikate wie Tosca,

RC Prestige, Elite, R13 Prestige und Festival (alle von

der Fa. BUFFET CRAMPON aus F und USA); Legacy,

Concerto II, Symphonie (Fa. LEBLANC aus F und

USA); Privilège, Signature (Fa. SELMER aus F und

USA) sowie PETER EATON (aus London) werden auf

der ganzen Welt von Spitzensolisten und

Orchestermusikern gespielt. Die drei führenden Firmen

Buffet Crampon, Leblanc und Selmer erzeugen auch

erstklassige Bassettklarinetten (bis zum notierten tiefem

C gehend), sowie Bassetthörner und Bassklarinetten.


2. BK gibt es auch in der Ausführung mit 20 Klappen,

dann bis zum tiefem Es gehend (Vollboehmsystem).

Diese Tonerweiterung um einen halben Ton tiefer ist

gelegentlich erforderlich, z. B. im Solopart des Clarinet

Concerto von Jean Françaix (im 1. Satz) und in Heitor

Villa-Lobos' Quatuor für Flöte, Oboe, Klarinette und

Fagott (Klarinettenstimme, in allen 3 Sätzen).


3. Wurtitzer-Oehler-Klarinetten (WOeK) benotigen mehr Klappen,

sind aufwändiger in ihrer Bauweise und sind dadurch

viel teurer in der Anschaffung als BK.


4. Ein ganz wichtiger Aspekt ist der, dass WOeK ein

Vielfaches an körperlichem Einsatz erfordern als BK.

BK sind leichter im Gewicht, dazu viel handgerechter,

d.h. liegen besser in der Hand als WOeK,  die dem Spieler das Spreizen, besonders der rechten Hand (besonders aufder A-Klarinette) abverlangen. Spieler mit kleinerenHänden sind besser bedient mit der BK. Prof. Eduard Brunner (Musikhochschule des Saarlandes), der bekannteste Boehm-Virtuose in Deutschland, sagte mir im Gespräch, er spiele sie eben (auch) aus diesem Grund

(übrigens auch der Verfasser dieser Zeilen).

                   

Boehm-System-Klarinetten

sind flexibler, obertonreicher, spielfreudiger, neutraler im Klang  als  Klarinetten des  deutschen Systems


5. Was die Bohrung, Blätter und Mundstückbahnen(bei BK : Vandoren, Charles Bay, Peter Eaton, Ramon Wodkowski u.a.; bei Wurlitzer : Vandoren, Viotto u.a) angeht, ist die heutige Annährung beider Systeme so stark, dass es schon bald keine große Klangunterschiede mehr gibt, so jedenfalls die Aussage der führenden Professorin in Lübeck: “ Man hört fast keinen

Unterschied mehr..." . BK und WOeK sind bald nicht mehr

auseinander zu halten.


6. Das Positionen in Orchestern in Deutschland nur für

Spielern der deutschen Klarinette (nur deutsches System)  ausgeschrieben werden, ist schizophren und ein Armutszeugnis der deutschen Kulturorchesterlandschaft.  


Zumal Daniel Barenboim, Chef der Staatsoper Berlin, der Mailänder Scala etc und gefragter Gastdirigent bei vielen Orchestern  kurzlich formulierte, die Klarinettensysteme untereinander klanglich gar nicht  mehr unterscheiden zu können...


° Eiserne Regel: niemals eine Schüler-Boehmklarinette z.B. von Buffet Crampon (alle Modelle unter RC), klanglich

und intonationsmäßig mit einer Profi-Wurlitzer-Klarinette vergleichen!  


Wilfried Berk, im Herbst 2008

PS. Nur wer  den Überflieger Martin Fröst gehört hat, weiß wie eine (Boehm)Klarinette klingen kann.

Berk: Sie klingen auf Ihrer Buffet-Klarinette so satt

und kernig, da staunen manche Kollegen, wenn sie

erfahren, dass Sie Boehm-System spielen. Dennoch

wird hierzulande behauptet, die Boehm-Klarinette

verfüge lange nicht über das Klangpotential einer

Oehler-Klarinette, wir stehen sie dazu?

Altmann: Ganz im Gegenteil: ich glaube, es kommt

immer auf die Klangvorstellung des Bläsers an.

Nehmen wir z. B. einen tschechischen oder einen

amerikanischen Klarinettisten, beide spielen auf

einem Instrument von Buffet Crampon, das Resultat

sind zwei komplett unterschiedliche

Klangwelten.Meiner Erfahrung nach lässt sich eine

persönliche Klangphilosophie auf einer Boehm-

Klarinette besser verwirklichen als auf dem Oehler-

System; ein französisches Instrument ist einfach

neutraler und dadurch wesentlich dienlicher. Als

Student habe ich z..B. nie gern die Debussy-

Rhapsodie gespielt. Die Leichtigkeit und Poesie, die

mir vorschwebte, konnte ich einfach nicht realisieren.

Mit der Boehm-Klarinette war es eine Freude, dieses

Werk zu spielen! Gleiche Erfahrung machte ich beim

Françaix-Concerto, es lohnt nicht, dieses Werk auf

einer deutschen Klarinette zu spielen, es ist eine

Hackerei sondergleichen und es kommt nichts dabei

raus. Auch die schizophrenen Welten eines Nielsen-

Konzerts oder der besondere Klang eines Finzi-

Concertos sind mit der Boehm-Klarinette besser zu

erreichen -da macht es auch erst richtig Spaß!

Berk: Sie haben in Hannover bei Prof. Pallushek

studiert. Würden Sie sagen, dass die Nähe zur

Solistenklasse von Prof. Hans Deinzer Sie beeinflusst

hat, was Ihre spätere Vorliebe für die neuere

Klarinetten-Literatur betrifft?

Altmann: Zu meiner Zeit war die Hochschule in

Hannover, zumindest in Deutschland, eine

Holzbläser-Hochburg". Was mich an Hans Deinzer

faszinierte, war das Umfassende an seinem

Unterricht, das weit über das normale Klarinettenspiel

hinausging. Zu meiner Schande muss ich allerdings

gestehen, dass ich damals noch nicht so sonderlich

an moderner Musik interessiert war. Mein

Hauptinteresse galt dem Orchester, darauf habe ich

mich konzentriert. Hellmut Pallushek war mein

Mentor, ihm habe ich es zu verdanken, dass ich mit

Zwanzig die Solostelle im Radio-Sinfonieorchester

Stuttgart bekam. Ich wünschte mir für alle jungen

Instrumentalisten ein solches Schüler-Lehrer-

Verhältnis auf dem Weg ins Berufsleben, wie ich es

von ihm erlebt habe.

Berk: Reden wir nun von Vorbildern. Gibt es welche?

Altmann: Sicherlich! Wenn man als junger Musiker

schlau ist, versucht man erst einmal, von so vielen

Musikern wir nur möglich zu lernen. Neben meinem

Lehrer haben mich natürlich die Jahre an der Herbert-

von Karajan-Stiftung sehr geprägt. Die Möglichkeit,

mit 18 Jahren am Solopult der Berliner Philharmoniker

zu sitzen, war eine tolle Sache für mich, da habe ich

natürlich viel von Karl Leister abgeschaut. Später, als

ich schon fünf Jahre beim RSO Stuttgart war, hat

mich die erste Zusammenarbeit mit Heinz Holliger

sehr fasziniert und bewirkte bei mir eine „Öffnung"

für neueres, Innovatives. Die Auseinandersetzung

mit ihm und seinen Werken trieb mich im Endeffekt

auch in die Arme der Boehm-Klarinette. Während

dieser Zeit habe ich auch Alain Damiens, den ersten

Klarinettisten im Ensemble Intercontemporain in

Paris, kennen gelernt. Die Art und Weise, wie er in

kürzester Zeit komplizierte neue Stücke lernt, kann

einem nur als Vorbild dienen.

Berk: Warum werden - Ihrer Meinung nach - die

Klarinetten-Stellen in deutschen Kulturorchestern mit

der Einschränkung > deutsches System <

ausgeschrieben?

Altmann: Ich kann darüber natürlich nur spekulieren.

Für mich ist es schon eine Art Protektionismus, weil

man vielleicht Angst hat, dass zu viele ausländische

Kollegen in die Orchester drängen. Ich kann davor

nur warnen, schon jetzt gibt es sehr wenig deutsche

Klarinettisten, die in der Lage sind, das gesamte

Repertoire unseres Jahrhunderts aufzuführen. Das

bisschen Berg und Strawinsky oder wenn's ganz

modern sein soll noch etwas Boulez  ( Domaines" von

1968 ), reicht nicht aus, um im europäischen Vergleich

konkurrenzfähig zu sein - Tradition hin oder her.

Berk: Gibt es Interpreten auf der Klarinette, die

Ihnen etwas geben? Nennen Sie doch mal Ihre

Präferenzen.

Altmann: Hier ist es wie mit den Vorbildern. Ich kann

nur allen jungen Klarinettisten raten, nicht nur auf

den Klang oder die Technik zu hören, sondern

Aufnahmen immer im Kontext von

Aufführungspraxis, Inhalt des Werkes und

Geschichte der Klarinette zu sehen. Mal abgesehen

davon, dass ich durch meine Orchester- und

Kammermusiktätigkeit, die auch den Job des

Orchestervorstands beinhaltet und die Familie (drei

Töchter, Anmerk. d. Red.), die ja auch nicht zu kurz

kommen möchte, nicht mehr soviel Zeit zum

Musikhören habe, gibt es aber immer Einspielungen,

die mich einige Zeit begleiten, z. B. so

unterschiedliche Interpretationen des Brahms-

Quintetts, wie die von Karl Leister mit dem Amadeus-

Quartett, oder Reginald Kell mit dem Busch-Quartett,

die Aufnahme des Corigliano-Concertos mit Stanley

Drucker und den New Yorker Philharmonikern oder

die kongeniale Interpretation der Isang Yun-Werke

durch Eduard Brunner. Um sich einmal einen

Eindruck zu verschaffen, wo technisch gerade die

Meßlatte hängt, empfehle ich die Einspielung von

Boulez' "L'ombre double" durch Alain Damiens.

Berk: Vielen Dank für dieses Gespräch. Ich

wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg!

Buon divertimento!

____________________________________________

BOEHM Clarinet players winners of the 2nd. Beijing International Music Competition for Clarinet 2009

* First prize : Valentin Uryupin (Russia)

* Second prize : Moran Katz  (Israel)

* Chikako Kondo (Japan) , and Eloise Susannah Fisher (Australia) shared third prize.

More Information: http://german.cri.cn/1833/2009/05/07/1s113994.htm

—–––––––––––––––––––––––––––––––––––––––-Carl Nielsen International Music Competition Clarinet 2009
1. Preis: Olli Leppäniemi, Finnland
2. Preis: Christelle Pochet, Frankreich

3. Preis: Daniel Ottensamer, Österreich
4. Preis: Balazs Rumy, Ungarn


Berk: Wie kamen Sie eigentlich dazu, als etablierter deutscher

Solobläser in einem der führenden Rundfunkorchestern den

Wechsel zur Boehm-Klarinette zu vollziehen?


Anbei ein früherer Artikel aus dem

Magazin rohrblatt, Schondorf, 13 (von 1998), Heft 3 , S.

125-126

 Man kann es sich in führender Position nicht leisten,

keine Ahnung von der Boehm-Klarinette zu haben."

Ein Gespräch mit Dirk Altmann, Soloklarinettist des

RSOrchesters Stuttgart

von Wilfried Berk

Das Interview entstand anlässlich eines Konzertes am

20.06.1998 in der St. Martin-Kirche in Seelze b.

Hannover, in dem Dirk Altmann gleich mit mehreren Soli

- auf der C-Klarinette bei Franz Schuberts Offertorium

Totus in corde langueo", auf der B-Klarinette bei Olivier

Messiaens “Abgrund der Vögel" aus dem „Quartet zum

Ende der Zeit" und bei Giacinto Scelsis „Ixor", dann auf

dem Bassetthorn bei Karl Stamitz' Konzert mit Orchester

- dazu noch als Dirigent - brillierte.


Altmann: Nach meinen ersten fünf Jahren im Orchester

spürte ich Stagnation in meinem Musikerdasein. Die

Aussicht auf weitere vierzig Jahre Orchesterdienst

erschreckte mich. Ich habe mich dann zunehmend für

andere Bereiche des Klarinettenspiels interessiert. So

auch für Neue Musik, und dabei stellte ich fest, dass viele

Spielanweisungen und Spieltechniken, z. B. Mehrklänge,

Vierteltöne, Slaps, etc., sich auf die Boehmklarinette

bezogen. Ich bemerkte auch Verständnislosigkeit bei

Komponisten, wenn ich ihnen meinen gelernten

Standardsatz , das geht auf einer deutschen Klarinette

nicht", entgegenschleuderte. Ich lernte dann auch

Klarinettisten aus der Schweiz und Frankreich kennen, für

die war das alles kein Thema. Dieses stand am Beginn

meiner Überlegung, mir diese Boehm-Klarinette, die ja

übrigens von 90% aller Klarinettisten auf dieser Welt

gespielt wird, einmal genauer anzuschauen. Heute bin ich

noch dazu der Meinung, dass man es sich als junger

Europäer, noch dazu in führender Position, nicht leisten

kann, überhaupt keine Ahnung von der Boehm-Klarinete

zu haben.


Berk: Wie sind Sie dann vorgegangen. Haben Sie sich

auf eine einsame Insel zurückgezogen, mit einer Boehm-

Klarinette, einer Grifftabelle und ein paar Schachteln

Vandoren -Blättern?

Altmann: Ich habe mir dann meine erste Boehmklarinette

gekauft. Das erste, was ich feststellte war, dass ich für

den Preis eines deutschen Klarinettensatzes ein

komplettes Equipment nebst Es- und Bass-Klarinette

bekommen konnte. Die Klarinette wurde natürlich mit

einer Grifftabelle geliefert, und so habe ich die

Sommerpause dazu genutzt, in täglichen sechs Stunden

Exerzitien umzusatteln.

Berk: Welche Art der Etüden haben Sie denn

verwendet, um den Wechsel zu optimieren?

Altmann: Erstaunlicherweise fielen mir neue Stücke,

auch technisch sehr schwierige wie Donatonis „Clair",

leichter als meine Repertoirestücke. Ansonsten benutzte

ich das Übliche, die Etüden von Baermann und Jettel.


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Martin Fröst, Richard Stoltzman, Paul Meyer, Michael Collins, Charles Neidich, Julian Bliss, Patrick Messina, Chen Halevi, Alessandro Carbonare, Olivier Patey, Eduard Brunner, Stanley Drucker, Larry Combs, Alfred Prinz

Internationaler Klarinettenwettbewerb Freiburg 2009

Die 25-jährige Klarinettistin Moran Katz aus Israel gewann den ersten Preis im 1. Internationalen Klarinettenwettbewerb Freiburg 2009. Den zweiten Preis erhielt Timothy Carter (29 Jahre) aus den USA, auf den dritten Platz  kam die 21-jährige Belgierin Annelien van Wauwe. Shelly Ezra, 24 Jahre alt und ebenfalls aus Israel, erhielt den Spezialpreis der Jury       >>>      alles Boehmklarinettisten !

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